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am 22. August

Bezirkssprecherin Chalupar im Sommerinterview

Die Grünen Linz-Land, Die Grünen Neuhofen/Krems - Über Raumordnungssünden, Radweglücken und komplizierte Tarifsysteme spricht Karin Chalupar, Bezirkssprecherin der Grünen Linz-Land, im Tips Sommerinterview

Tips Linz-Land führt auch heuer Sommergespräche mit den Bezirksparteivorsitzenden. Nach Wolfgang Stanek (VP) haben wir Karin Chalupar, Bezirkssprecherin der Grünen und Gemeinderätin in Neuhofen an der Krems, zu Hause besucht.

Tips: Die Grünen mussten in der jüngsten Vergangenheit einige Rückschläge hinnehmen. Wie geht es der Partei im Bezirk?


Karin Chalupar:Wir sind in 14 von 22 Gemeinden im Gemeinderat vertreten, sind in Leonding im Stadtrat und in Kirchberg im Vorstand. Auch in Enns und Wilhering sind die Grünen prozentuell sehr stark. Auf Bezirksebene hat sich ja nichts geändert, außer vielleicht ein bisschen die Motivation. Aber es ist gut weitergegangen, alle Aktionen - vom Radl-Check bis zu den Sommerkinos - wurde erfolgreich abgewickelt. 


Kinderbetreuung


Tips: Oft kritisiert wurde von den Grünen die Einführung der Nachmittagsgebühren im Kindergarten.


Chalupar:Offiziell gibt es ja immer noch keine genauen Zahlen, wie sich das ausgewirkt hat. Aber das Entsetzen war anfangs natürlich groß, denn wir haben sehr viele Kinder, wo beide Eltern berufstätig sind. Und was die Aussage der Familienministerin betrifft, dass man eben Gruppen am Nachmittag zusammenlegen muss, das passiert ja sowieso. Manchmal glaube ich, die lebt fern von jeglicher Realität.


Tips: Förderungen soll es ja nur mehr für  Einrichtungen geben, die 45 Stunden und mehr in der Woche geöffnet haben geben. Das wird in vielen Landgemeinden nicht der Fall sein.


Chalupar:Ja, das wird halt dann wieder auf die Gemeinden abgewälzt, also die Kosten. Weil kein Bürgermeister wird sich trauen zu sagen, bei uns gibt es dieses Kinderbetreuungsangebot nicht, weil wir keine Förderungen dafür bekommen. 


Umfahrung Neuhofen


Tips: Beim öffentlichen Verkehr gibt es in Neuhofen immer noch keinen Konsens für oder gegen die Umfahrung. Wie stehen die Grünen dazu?


Chalupar:Wir waren grundsätzlich immer gegen die Umfahrung. Nach der Bürgerbefragung, die mit knapper Mehrheit für die Straße ausgegangen ist, haben wir uns aus demokratiepolitischen Gründen dafür ausgesprochen. Aber eben nur unter den Entschärfungs-Maßnahmen, die wir im Gemeinderat beschlossen haben. Und die werden vom Land nicht umgesetzt. So werden wir die Umfahrung sicher nicht mittragen.


Tips: Was ist jetzt der Plan von Seiten der Gemeinde, wie soll es weiter gehen?


Chalupar: Es liegt nicht in den Kapazitäten der Gemeinde, eine neue Umfahrungsvariante zu planen. Die SPÖ wollte zwar, dass noch einmal ein Verkehrsplaner etwas Neues ausarbeitet, dafür gab es aber keine Zustimmung vom Vorstand. 


Ein gutes hat die Situation aber: Die Trasse wird ja schon lange für die Umfahrung freigehalten. Das hat dazu geführt, dass das Gebiet bisher nicht verbaut werden konnte. Sonst wird ja eh alles zugebaut in Neuhofen. 


Radwege und öffentlicher Verkehr


Tips: Sie fahren ja ohnehin lieber mit dem Rad als mit dem Auto, wie steht es um die Radwege im Bezirk?


Chalupar:Die sind, etwa von Enns, Asten, Traun oder auch Neuhofen kommend, schon ganz gut, auch bis Leonding geht es − aber die gute Verbindung scheitert immer an der Stadtgrenze zu Linz. Von Leonding kommend ist es gefährlich auf dem Weg zur Waldeggstraße, obwohl das nur ein Hupfer wäre. Und von Neuhofen kommend kann man unerfahrenen Bikern den Weg entlang der Wiener Straße nicht zumuten.


Und an den Bahnhöfen braucht es gute, sichere Abstellplätze, auch für E-Bikes. Wenn ich mit einem 3.000 Euro E-Bike zum Bahnhof fahre, will ich das auch am Abend wieder unversehrt vorfinden.


Tips: Gelobt wird beim öffentlichen Verkehr von allen Seiten die Straßenbahn nach Traun.


Chalupar:Ja, nur hier hapert es am Tarifsystem. Wenn der Pendlerparkplatz an der Trauner Kreuzung überfüllt ist, liegt es daran, dass die Kernzone hier endet. Generell ist das Tarifsystem in Linz-Land wahnsinnig kompliziert und für jemanden, der nicht oft fährt, sehr schwer zu durchschauen. Das und auch die hohen Kosten schrecken viele ab.


Tips: Was wäre aus Ihrer Sicht die Lösung?


Chalupar:Ziel der Grünen wäre natürlich das 365 Euro Ticket für ganz Oberösterreich. Und die Ausweitung des Jugendtickets, nicht nur auf die Schüler, sondern bis 23 Jahre. Oder eben eine Erweiterung der Kernzonen. Wenn ein Außenstehender von Linz nach Traun fährt, wie soll der erkennen, dass hier die Kernzone endet. Siedlungstechnisch gibt es dafür jedenfalls kein Indiz.


Tips: Was wurde durch die Grünen in jüngster Vergangenheit im Bezirk vorangetrieben?


Raumordnung und Ökologie


Chalupar: Grundsätzlich ist uns die Raumordnung ein ganz wichtiges Thema. Da geht viel von den Grünen aus, wenn es darum geht, auf den Bestand zu schauen, still gelegte Betriebe zu reaktivieren oder mehr in die Höhe zu bauen, als immer wieder neue Fläche zu versiegeln. Vor allem bei Einkaufszentren oder Parkhäusern, da kann man den Menschen schon ein paar Stöcke mehr zumuten. Grünland ist eben nicht unbegrenzt verfügbar.


Und unser Kernthema ist natürlich die Ökologie. Das sind die Gemeindegruppen besonders wichtig. 


Tips: Was stört Sie in diesem Zusammenhang an den Plänen der Landesregierung am meisten?


Chalupar:Ganz entsetzlich finde ich das neue Projekt „Linz Umland“. Die Gemeinden wurden aufgefordert, ihre Grünlandkonzepte (die auf 10 Jahre angelegt sind) genau unter die Lupe zu nehmen. Konkret soll gewidmetes Grünland vorzeitig für die Erweiterung der Wirtschaftsstruktur bereitgestellt werden. Da wird es sicher von unserer Seite noch eine Anfrage an das Land geben.


Tips: Auf Bundesebene haben die Grünen gerade ein neues Wahlsystem erarbeitet.


Chalupar: Das ist sehr zu begrüßen. Die Basis wird viel mehr einbezogen, weil eine Briefwahl mit dabei ist. So hängt nicht alles von der Landesversammlung ab. Schon im Vorfeld wird von guten Köpfen ausgewählt, wer aufgestellt wird.


Tips: Mit der neuen Regierung hat sich auch die Situation für die Asylwerber verschärft. Neuhofen war ja mit der „Herberge Neuhofen“ eine der ersten Gemeinden, die Flüchtlinge aufgenommen haben. Wie hat sich die Situation entwickelt?


Thema Asyl: „In unserer Schule waren drei Kinder von einen Tag auf den anderen weg. Das ist uns sehr nahe gegangen“


Chalupar:Viele Asylwerber sind in Warteposition. Die Stimmung unter den Flüchtlingen in Neuhofen, die ja zum Teil seit 2015 da sind, ist daher sehr schlecht. Weil ihre Aussichten auf ein Bleiberecht so schlecht sind. 


Aber die Wohnsituation ist so, dass einige schon im Privatverzug sind, das funktioniert gut. Die Kinder gehen in die Schule, der Dienstleistungsscheck ermöglicht das Arbeiten der Erwachsenen. 


Bei mir in der Schule etwa waren von einen Tag auf den anderen drei Kinder (aus St. Marien) weg. Ein Kind, das schon zu den Klassenbesten gehört hat, auch in Deutsch, und ihre zwei Geschwister. Ihr ganzes Schulzeug ist noch da, aber sie waren auf einmal weg. Man hat sie in irgendeinem „Lager“ in St. Georgen untergebracht - bis man weiß, wie es weitergeht. 


Das ist uns allen sehr nahe gegangen, die waren ja seit 2,5 Jahren da. Die Mitschüler waren sehr betroffen und haben ihnen viele Briefe geschrieben. 


Das sind eben so persönliche Schicksale, die uns hart treffen. Aber auf der anderen Seite muss man sehen, wie sehr es die Mädchen betrifft: Die sind ja noch als Kinder zu uns gekommen und sind jetzt pubertierende Mädchen mit allen Freiheiten. Die kommen ja quasi „zurück ins Mittelalter“. Was das für sie heißen muss, kann man sich, glaube ich, gar nicht vorstellen.

​Quelle: Tips Online KW 34


Karin Chalupar (Grüne) geb. am 26. Mai 1959
wohnt in Neuhofen an der Krems
verheiratet, 2 Erwachsene Söhne, Lehrerin in der NMS Neuhofen (Mathematik, Werken, Informatik)
Bezirkssprecherin der Grünen LL
Gemeinderätin in Neuhofen
Mitglied im Landesvorstand Grüne

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